Merkur-Lichtspiele Arnstadt
Aus Kinowiki
- Geschichte
- Zu Beginn 1927 trat der Inhaber des „Lichtspielhauses an der Weiße“, Herr Johannes Mohr, mit einem größeren Kinoprojekt an die Öffentlichkeit. Er begann in der Bahnhofstraße, neben dem „BC“, ein neues Lichtspielhaus zu errichten. Mit den Erdarbeiten wurde im Mai 1927 begonnen. (...)
- Im Oktober 1927 konnte das neuzeitlich ausgestattete Filmtheater in der Bahnhofstraße 32 fertiggestellt werden. Besitzer und Direktor, Johannes Mohr, der schon 25 Jahre im Dienst der Kinemathographie stand, nannte es IMA-Lichtspiele, „IMA“ steht für „Johannes Mohr Arnstadt (Das J aber als „I“ geschrieben). Die Leitung dieses neuen Lichtspielhauses übernahm der Eigentümer Johannes Mohr selbst.
- Architekt des Bauwerkes war Ernst Flemming aus Weimar.
- Der Bau war 35 Meter tief und 15 Meter lang, seine Höhe betrug etwa 18 Meter. Auf der Vorderfront war neben der großen Freitreppe, die in das Innere des Lichtspielhauses führte, nach Süden ein Laden, nach Norden ein Café vorgebaut. Letzteres stand in Verbindung mit dem Bahnhofs-Cafe. Das Gebäude selbst enthielt noch in seinen oberen Stockwerken drei Wohnungen. Schritt man die Freitreppe hoch, so kam man durch den Haupteingang in die Kassenhalle, an die sich ein geschmackvoll ausgestattetes Vestibül anschloß. Dort befanden sich die Zugänge nach dem Zuschauerraum und den Logen. Eine breite Treppe führte hinauf zu dem Vestibül für die Ränge. Oben und unten stießen an das Vestibül Garderoben und Toiletten. Das eigentliche Lichtspieltheater war ein Massivbau mit Raumkonstruktion aus Eisenbeton. Die Decke bestand ebenfalls aus Eisenkonstruktionen mit Holzverkleidung (mit Rücksicht auf die Akustik). Der Zuschauerraum war 18 Meter lang, 15 Meter breit und 10 Meter hoch. Er umfaßte etwa 800 Plätze (ca. 500 unten und ca. 300 in den halbmondförmig geschweiften Rängen). (...)
- Eröffnet wurden die IMA-Lichtspiele am Freitag, dem 28.10.1927. (...)
- Das Unternehmen des Johannes Mohr wurde ein Opfer der Weltwirtschaftskrise. Mohr verlor das Gebäude an ein großkapitalistisches Unternehmen. Die Besitzergreifung durch diese Grundstücksverwertungsgesellschaft hatte eine Namensänderung zur Folge, ab September 1928 hieß das Kino „Merkur-Lichtspiele“. (...) Im Handelsregister war die Firma unter A Nr. 1104 als „Merkur Arnstädter Lichtspiele Selve Flemming Stoltze Götze in Arnstadt“ zu finden. Die Leitung des Unternehmens lag in den Händen eines bewährten Fachmannes, des Herrn Paul Götze aus Weimar, dem dort drei Lichtspielhäuser unterstanden hatten. (...)
- Der Gesellschafter der Firma „Merkur, Grundstückserwerbs- und Betriebs-Gesellschaft m.b.H.“, Georg Stoltze, war am 2.11.1938 infolge Ablebens aus der Gesellschaft ausgeschieden. An seine Stelle trat seine Erbin Frau Angelika Stoltze geb. Hesse aus Erfurt. (...)
- Am 6.2.1945 wurden die „Merkur-Lichtspiele“ bei einem anglo-amerikanischen Bombenangriff stark in Mitleidenschaft gezogen und mußten vorübergehend geschlossen werden. (...)
- Nach langer, jedoch vollständiger Renovierungöffnete das „Filmtheater Merkur“ am Dienstag, dem 21.1.1958, seine Pforten. Die Filmleinwand hatte nunmehr eine Breite von 11 Metern. Die Anlage war auf das neue Filmwiedergabeverfahren „Totalvision“ und „Cinemascope“ umgestellt worden. (...) Das „Filmtheater Merkur“ galt nach dem Umbau als eines der schönsten Lichtspieltheater des Bezirkes Erfurt. (...) Den ersten Film mit Raumtonwiedergabe konnten die Arnstädter am Freitag, dem 10.4. 1959, erleben. Im Filmtheater Merkur“ lief der Streifen „Ilja Muromez“ im 4-Kanal-Mag-nettonsystem. Außer den 3 Bühnenlautsprechern, wurden die Besucher von den 18 Effektlautsprechern überrascht, die für besondere Geräuscheffekte, zum Beispiel Donnergrollen, sorgten. Ende der 60er Jahre kam wieder ein neues, sehr aufwendiges Verfahren auf, welches die Bild- und Tonqualität erheblich verbesserte, der 70-mm-Film mit 6-Kanal-Magnetton. Den ersten von der DEFA hergestellten 70-mm-Farbfilm „Hauptmann Florian von der Mühle“, u. a. mit Manfred Krug, konnten die Arnstädter am 22.8. 1969 im Filmtheater Merkur sehe. Im Jahre 1992 hatte Arnstadt nur noch ein Kino, das „Filmtheater Merkur“. Dieses Filmtheater wurde von der Treuhandanstalt an die Ufa-Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf verkauft. Die Ufa Düsseldorf, nun Eigentümerin des Arnstädter Filmtheaters „Merkur“, bekräftigte Ende Mai 1992, daß sie nicht vorhabe, das Kino zu schließen und wisse auch nicht, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt habe. Dies äußerte Rudolf Reulbach, Abteilung Revision und Betriebsorganisation der Ufa, auf Anfrage der TA. Drei Jahre später fand in dem letzten und einzigen Arnstädter Kino, im „Filmtheater Merkur“, am Sonnabend, dem 18.3.1995, die letzte Filmvorführung statt. Gezeigt wurde der Streifen „Cinema Paradiso“. Die zwei letzten und einzigen Mitarbeiter des Kinos, Frau Helma Großmann und Hans-Joachim Gäng hatten ihre Kündigungen per 30.6.1995 bereits in der Tasche."
Quelle: Klaus Reinhold: Chronik Arnstadt
Am 24.02.2010 schließlich vollzog sich das unwiederrufliche Ende des "Merkurs". Gegen 9:00 Uhr
morgens erklang über Arnstadt die Feuersirene.
Aus bislang ungeklärten Ursachen stand das gesamte Gebäude in Flammen, Nachbarn hatten die
Rauschschwaden bemerkt und Einsatzkräfte allarmiert.
Noch Stunden später war die Feuerwehr mit den Löscharbeiten beschäftigt, da sich kleine Brände in allen Winkeln des Kinos hielten. Schließlich gelang es mit Hilfe von 100 Feuerwehrleuten mit 20 Fahrzeugen dennoch, die Feuerbrunst zu ersticken, zu retten war allerdings nichts mehr.
Zum Glück gab es keine Verletzte und auch die Nachbargebäude blieben verschohnt.
Der entstandene Schaden wird momentan auf mehr als 15.000 Euro geschätzt, gegen eventuelle
Brandstiftung wird ermittelt.
Feuer im Kino aktueller bericht der Thüringer Allgemeinen Zeitung
